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Alles wird anders? Wie Sie mit der großen Beschleunigung Schritt halten

Marcel Mellor, Product Lead der App "satellite", Science-Fiction Autor und Blogger

Die Welt dreht sich schneller – das klingt nach einer Floskel, aber ist für uns alle seit mehreren Jahren Realität. Da sind einerseits die einschneidenden Ereignisse, die frühere Generationen genau einmal zu Lebzeiten mitgemacht haben, wenn überhaupt. Eine globale Pandemie. Ein Krieg in Europa. Naturkatastrophen vor der eigenen Haustür.

Dazu kommt, dass sich die Räder der Digitalisierung schneller drehen denn je. In meinem Viertel haben viele Einzelhändler gerade ihren ersten Online-Shop aufgesetzt, aber nun ist schon vom Nachfolger des Internets, dem Web3, die Rede. Große Unternehmen sichern sich ihren Platz im „Metaverse“. Und Künstliche Intelligenz – von vielen gnadenlos unterschätzt – wird immer besser darin, das „Brot-und-Butter-Geschäft“ vieler Branchen komplett wegzuautomatisieren.

Wie richtet man sich als Unternehmen auf diese ständig wechselnde Normalität ein?
Was tun, wenn aktuelle Trends das eigene Geschäftsmodell infrage stellen?

Drei Tipps für die Zeit der großen Beschleunigung.

1. Nicht künstlich beschleunigen

Ja, die Dinge ändern sich, schneller als je zuvor. Aber dann doch nicht so schnell wie uns Medien glauben lassen. Alle heutigen Säulen des Digitalen – vom World Wide Web und Open Source Software bis zu Big Data und KI – haben sich jeweils über Jahrzehnte entwickelt.

Trotzdem tauchen heute immer wieder Trends wie aus dem Nichts auf und sind plötzlich in aller Munde. Der Grund ist die sogenannte „Verfügbarkeitskaskade”. Sie beginnt fast immer mit einem einzelnen Ereignis, über das mehrere Medien berichten, darauf gibt es Reaktionen und über die wird dann wieder berichtet. Verkürzt ausgedrückt: wir sprechen über eine Sache, nur weil darüber gesprochen wird.

Ein Beispiel dafür ist das Metaverse. Viele Unternehmen beschäftigen sich einzig und allein mit dem Metaverse, weil sie befürchten, zu spät zur Party zu kommen – dabei gibt es keinen nennenswerten Durchbruch und es ist noch nicht einmal klar, was das Metaverse eigentlich sein wird. Überlegen Sie sich dreimal, ob Sie sich (emotional) auf solch ein Thema einlassen.

Tipp: Nutzen Sie die Medienlandschaft immer eine Stufe langsamer, als es angebracht scheint. Wenn alle Welt die Liveticker und Eilmeldungen verfolgt, dann reicht wahrscheinlich die Tageszeitung. Um sich in ein Thema wirklich einzulesen, sind kompakte Sachbücher immer noch geeigneter als eine Flut von Artikeln.

2. Langfristig planen

Es klingt paradox, aber in Zeiten der großen Beschleunigung sollten wir langfristig planen. Niemals war es fahrlässiger, bei seiner Karriere auf aktuelle Hypes zu bauen. Denn Hypes haben immer einen Rückwärtsgang – gut zu sehen an Apps wie Clubhouse, die genauso schnell kamen wie sie wieder in der Bedeutungslosigkeit versanken. Hypes sagen viel über die Gegenwart aus, aber planen sollte man nicht mit ihnen. Erst recht nicht heutzutage.

Im Gegensatz dazu gibt es Makrotrends, die so offensichtlich sind, dass wir sie teilweise gar nicht mehr als solche wahrnehmen. Für die nächsten Jahrzehnte werden es vor allem zwei sein: die Klimakrise und die zunehmende Automatisierung. Beide Trends stehen gerade erst am Anfang und jedes Unternehmen wird von ihnen betroffen sein.

Wirklich jedes? Ja, da bin ich mir sicher. Nehmen wir eines der ältesten Gewerbe der Welt, das Backhandwerk. Schon jetzt gibt es Bäckereien, die sich von KI-gestützter Software die Bestellmenge des nächsten Tages voraussagen lassen. Und Betriebe, die bereits seit Jahren auf eigene Photovoltaik- und Erdkühleanlagen setzen. Beides hilft in Zukunft, aber auch schon jetzt.

Der langfristige Erfolg eines Unternehmens wird davon abhängen, wie gut es mit intelligenten Maschinen zusammenarbeitet und die Herausforderungen der Klimakrise meistert. Egal, wie sehr sich die Welt dreht – es zahlt sich aus, in diese Trends zu investieren.

Tipp: Recherchieren Sie, wie Ihre Branche bereits Künstliche Intelligenz nutzt. Oft werden in Artikeln dazu einzelne Unternehmen und Personen portraitiert, die gerade Pionierarbeit betreiben. Schreiben Sie die Person an und fragen Sie nach einem konkreten Tipp für Ihre eigenen, ersten Schritte. Menschen sind überraschend hilfsbereit, wenn man sie nur fragt.

3. Direkte Kundenbezieheungen pflegen

Der robusteste Vermögenswert, den Sie als Unternehmen und Person aufbauen können, sind direkte Kundenbeziehungen. Mehr denn je gilt, dass Sie Ihren Erfolg nicht von einer bestimmten Plattform abhängig machen sollten. Dafür gibt es zwei Gründe.

Zum einen wird es immer schwieriger, Reichweite auf einer Plattform zu gewinnen und auch zu halten. Neue Apps wie TikTok bestimmen vor allem über „Discovery-Algorithmen“, was ihre Nutzer zu sehen bekommen – die Follower-Zahlen eines Accounts sind dort deutlich unwichtiger als bei klassischen Social-Media-Apps. Instagram hat vor einigen Wochen ähnliche Mechanismen eingeführt, woraufhin Influencer wie Kim Kardashian auf die Barrikaden gingen. Nicht etwa aus Nostalgie, sondern weil sie den Zugang zu ihrer hart erarbeiteten Followerschaft gefährdet sahen.

Der zweite, noch wichtigere Grund: Unsere sozialen Fähigkeiten und Beziehungen sind der größte Vorteil gegenüber Künstlicher Intelligenz. Heutige Routineaufgaben und auch das, was wir als „kreativ“ wahrnehmen, wird zunehmend von Maschinen übernommen. Damit rücken die sozialen Komponenten unseres Berufs in den Vordergrund. Persönliche Gespräche, ausführliche Beratung und direkte Ansprechpartner sind also nicht etwa ein Ballast, sondern eine Investition in die Zukunft.

Tipp: Pflegen Sie mindestens einen Kanal zu Ihren Kunden, den Ihnen niemand wegnehmen kann – das naheliegendste ist ein Newsletter. Sie haben nur 20 Kunden? Starten Sie einen Newsletter mit 20 Abonnenten, zu Beginn vielleicht als zweimonatliches Update. Nutzen Sie solche Maßnahmen vor allem, um mit Ihrer Kundschaft ins Gespräch zu kommen.

Bleiben Sie neugierig

Nichts spricht dafür, dass die nächsten Jahre langsamer werden als die vergangen. Im Gegenteil. Heutige Ereignisse werden Folge-Ereignisse und Folge-Folge-Ereignisse nach sich ziehen. Trends werden in sich zusammenfallen und durch neue ersetzt werden, die wir heute nicht auf dem Schirm haben. Und genau wie in den letzten Jahren werden wir ständig neu definieren müssen, was „Normalität“ bedeutet.

Das ist manchmal anstrengend – aber es kann und sollte auch Spaß machen. Wer seine Freude am Neuen verliert, wird in diesen Zeiten nicht glücklich werden. Damit wir jedoch weiter neugierig bleiben, müssen wir sorgsam filtern und einsehen, dass wir nicht bei jedem Thema mitreden können. Nur dann können wir erkennen, welche Aspekte der neuen Normalität für uns und unser Unternehmen wichtig sind.

Kontakt:

Marcel Mellor ist Science-Fiction-Autor, Blogger und Digitalstratege. In seinem Newsletter „Tech is Good“ wirft er einen optimistischen Blick auf Technik und darauf, wie uns App und Maschinen noch besser unterstützen können. Sie können den Newsletter hier abonnieren.

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